Freitag, 25. Februar 2011

Reinigungsmittel im Modellbau

ACHTUNG: hier geht es NICHT darum, wie man seinen Hobbyraum am besten sauberhält. Im folgenden wird der massive Missbrauch ehrenwerter Putzmittel im Modellbau beschrieben - empfindliche Gemüter lesen also besser nicht weiter :-)

In vielen vorwiegend amerikanischen Publikationen und Internetseiten zum Thema Modellbau wird ein Produkt namens "Future" erwähnt - anscheinend ein wahres Wundermittel für Finishing, Decaling und Weathering von Modellen. Worum es dabei genau geht, ist u.a. auf http://www.swannysmodels.com/TheCompleteFuture.html nachzulesen.

Der Haken an der Sache: "Future" ist in Deutschland kaum zu bekommen. Als Alternative bietet sich ein Produkt namens "Emsal Glänzer Strapazierglanz" an - und das habe ich jetzt mal einem kurzen Anwendungstest unterzogen, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

1. Auftrag

Grundsätzlich lässt sich Glänzer sowohl mit der Airbrush als auch mit dem Pinsel auftragen, wobei ich persönlich den Auftrag mit dem Pinsel in zwei nassen Schichten am einfachsten und überzeugendsten fand (Trockenzeiten beachten!). Die Beschichtung ist hervorragend selbstnivellierend, d.h. Bläschen, Pinselspuren im Auftrag und auch kleinere Kratzer in der zu beschichtenden Oberfläche verschwinden von alleine. Das optimale Resultat bekommt man auf waagrechten und (ganz wichtig!) perfekt sauberen und fettfreien Oberflächen.

Die Bearbeitungszeit beträgt etwa 10 Minuten je nach Schichtdicke, berührtrocken ist die Schicht nach 2 - 3 Stunden, komplett durchgetrocknet erst nach 24 Stunden (immer abhängig von der Schichtdicke). Ein zweiter Auftrag kann bereits nach 12 Stunden erfolgen.

Das Resultat nach zwei Schichten ist eine sehr glatte, seidenglänzende und mechanisch strapazierfähige Oberfläche - einfach mit dem Pinsel und ganz ohne Zwischenschleifen oder andere aufwändige Aktionen.

2. Decaling

In der Yahoo-Group "buildingsandstructures" findet sich folgendes Zitat zum Decaling mit Future: "Soak decal in water. Put on towel paper until loose. Put down a puddle of Future. Place decal. Remove excess with a paper towel, carefully. Once decal has set up a bit, come back with a paint brush loaded with more Future. That's it. No setting solution. Future will suck decals down into bricks and stonework." In aller Kürze: das kann ich für Glänzer nicht bestätigen!

Glänzer bietet einen tollen, da sehr glatten, Untergrund für Decals und nachher eine gute Glanz- und Schutzsicht darüber, Ränder und Glanzunterschiede verschwinden. Aber: auf unebenen Oberflächen wie z.B. einer Nietreihe führt an einem guten Weichmacher (ich verwende Mr. Mark Softer von Gunze) kein Weg vorbei. Verträglichkeit mit Glänzer: problemlos (wenn die Trockenzeiten beachtet werden).

3. Wechselwirkung mit anderen Substanzen

Getestet habe ich hier sowohl den Auftrag diverser Substanzen auf einer 24 Stunden durchgetrockneten Schicht Glänzer als auch den Auftrag von Glänzer auf den ebenfalls durchgetrockneten Substanzen. Alle Testfarben wurden mit dem Pinsel aufgetragen. Resultat:
  • Isopropanol (Alkohol) 70 %: löst Glänzer, ohne Rückstände zu hinterlassen; trocken problemlos wieder überstreichbar
  • Nitroverdünnung: löst Glänzer und hinterlässt einen rauen, klebrigen Film; auch nach vollständigem Durchtroknen nicht wieder überstreichbar. Die neue Schicht Glänzer bildet eine Art "Orangenhaut".
  • Acrylfarbe (Vallejo Model Air): in beide Richtungen problemlos; allerdings sind aufgrund der glatten Oberfläche zwei Schichten Farbe notwendig, um eine vollständige Deckung zu erreichen.
  • Enamel (Humbrol): ebenfalls unproblematisch, wenn man zügig und ohne zusätzliche Lösungsmittel arbeitet. Terpenol als Verdünnung sollte gehen, habe ich aber nicht getestet. Trocken problemlos überstreichbar.
  • Acryllack (Vallejo Varnish): gibt auf Glänzer ein passables seidenmattes oder mattes Finish, ggfs. zwei Aufträge erforderlich.
  • Laquer matt (Testor / Model Master Dullcote): mein Favorit für ein komplett mattes Finish auf Glänzer in einem Durchgang. Auch hier gilt: leicht anlösend, also zügig und nicht zu nass arbeiten.

4. Weathering

Hier geht es in erster Linie um die Anwendung von Washes, also stark verdünnten Farbbädern. Voraussetzung: eine glatte (in der Regel also doppelte) und gut durchgetrocknete Schicht Glänzer, und ein Wash ohne aggressive Lösungsmittel (s. oben). Gute Resultate habe ich mit stark verdünnter Airbrush-Acrylfarbe (Lösungsmittel: Wasser) oder den vorgefertigten Vallejo-Washes erzielt.

Auf der glatten Oberfläche haftet die verdünte Farbe kaum und bleibt länger nass - die Folge: sie sammelt sich in Fugen, Ecken und Vertiefungen wie z.B. Lüftergittern und lässt sich von den Flächen leicht abwischen. Ein abschließender Überzug mit Dullcote versiegelt die Farbe und bietet einen griffigen Untergrund für andere Alterungstechniken wie z. B. Pulverfarben.

In diversen Artikeln wird der Einsatz von Künstler-Ölfarbe für Washes erwähnt. Die gibt es mittlerweile auch in wasserverdünnbarer Form - ob das funktioniert, werde ich später testen. Bericht folgt.


5. Fazit

Glänzer ist eine preiswerte, einfach anwendbare Lösung für verschiedene Anwendungen von der Flächenversiegelung über Decals bis hin zum Weathering. Mir hat besonders die simple Verarbeitung mit dem Pinsel gefallen. Ein "Wundermittel" ist es aber nicht - fast alle oben beschriebenen Aufgaben lassen sich auch mit konventionellen Acryllacken lösen. Und wer's eilig hat, greift aufgrund der langen Trockenzeiten sowieso besser zu anderen Produkten.

Wer's jetzt ausprobieren möchte: Glänzer gibt's unter anderem bei Edeka und Marktkauf für ca. 5 € pro Liter.